Nicht Bomben fielen auf Monte Carlo aber die neuartigen Automobile knatterten mit Explosionsmotoren, Wolken von Staub hinter sich her, über die wassergebundenen Schotterstraßen. Es stellte sich die Frage wie kann man die immer stärker zunehmende Staubplage reduziert werden. Am 12.03.1902 traf sich die neugegründeten Medizinische Gesellschaft von Monte Carlo zu einer Versammlung. Es präsentierte Fürst Albert von Monaco. Der Vortragende in dieser Versammlung war Dr. Guglielminetti. In der sich anschl. Diskussion beklagte Fürst Albert die durch den Autoverkehr verursachte Staubplage und appellierte an Dr. Guglielminetti seine Aufmerksamkeit künftig mehr auf die nächste Umwelt zu richten. Dabei gipfelte seine Klage in den Worten „ Wohin ist unsere schöne sonnendurchflutete Rivera verschwunden. Seitdem Autos über unsere Straßen rasen, atmen wir Staub von früh bis spät. Unsere ehemals farbensprühende Flora wirkt matt und frische Blumen gibt es nicht mehr“ Während dem Rückblick auf diese Ansprache gingen dem Dr. Guglielminetti gingen ihm Erinnerungen an seine ärztliche Arbeit durch den Kopf. Er sah sich in Java auf glattgescheuerten Krankenhausböden stehen. Diese Böden waren mit Teer bestrichen, um sie wasserdicht und leicht abwaschbar zu machen. Ferner erinnerte er sich an einen Zwischenfall den er vor kurzer Zeit beobachtet hatte. Auf der Zufahrtstraße zu dem Gaswerk Monaco war ein beschädigtes Teerfass ausgelaufen. Spontanschlug Dr. Guglielminetti vor den Steinkohlenteer aus dem Gaswerk für die Staub Bindung der dortigen Straßen zu verwenden, anstatt dieses billige Abfallprodukt im Meer zu versenken. Die Antwort des Fürsten : „ Herr Dr. Guglielminetti, das Gaswerk steht ihnen zur Verfügung“. Sofort am folgenden Tag also am 13.03.1902 wurde der erste Versuch durchgeführt. Auf einer Straße in der Nähe des Gaswerkes wurde auf der Länge von 40 m der in einem Kessel erhitzte Teer mit Besen auf der Fahrbahnoberfläche verteilt. Am folgenden Tage konnte die inzwischen erkaltete Teerung dem Verkehr mit Pferdefuhrwerken, Schiebekarren und Automobilien freigegeben werden. Der Doktor beobachtete die Straße über Wochen und stellte fest, dass sie standhielt und staubfrei blieb-und er erkannte : Die Teerung bindet nicht nur den Staub, sondern sie kann auch helfen, die Lebensdauer der Straßenbefestigungen zu verlängern.
Die Presse in Nizza berichtet: Goudronnage des Routes
Dr. Guglielminetti war sich seiner Sache so sicher, dass er bereits am 19.04.1902 dem Verkehrsverein von Monaco einen Vortrag über den Versuch hielt um seine damit zusammenhängende Überlegungen der Öffentlichkeit vorzustellen. Seine Pioniertat und seine drauffolgenden Aktivitäten führten dazu, dass in so bedeutende Städte wie Paris, London, Berlin mit Teer und Naturasphalt hergestellte Asphaltstraßen bahnbrechende Impulse für den Automobilstraßenbau auslöste.